Häufige Fragen bezüglich Zeugnis

DruckversionDruckversionPDF versionPDF version

Wiederveröffentlichung! Immer wieder treten im Zusammenhang mit der Zeugniserstellung diverse Fragen auf. Wir versuchen als juristische Laien hiermit eine Klärung - unter Berufung auf das Schulunterrichtsgesetz (SchuG) oder die Zeugnisformularverordnung (ZFVO). Eine rechtliche Verbindlichkeit kann von diesem Artikel nicht abgeleitet werden. Trotz Abklärung mit dem LSR bleibt dies eine Zusammenfassung zu Ihrer Information, sie soll Hilfe und Erklärung bieten und ein gemeinsames Vorgehen ermöglichen.

  • Semester: Schulnachricht für "Außerordentliche Schüler", keine Schulnachricht für Vorschüler
    Jahresende: Schulbesuchsbestätigung für "Außerordentliche Schüler" (in Klassen ohne ALB), Jahreszeugnis für Vorschüler

Bis zu den Änderungen mit dem Schulrechtsänderungspaket 2016 galt nach SchUG § 19 Abs. 2, dass jeder Schüler (ausgenommen Vorschüler) eine Schulnachricht erhielt.

Dies widerspricht nicht der Vorgabe (SchUG § 22 Abs. 11), dass ein außerordentlicher Schüler bei Austritt aus der Schule (unterm Jahr) bzw. am Jahresende eine Schulbesuchsbestätigung erhält:
"Schulpflichtigen außerordentlichen Schülern ist im Zeitpunkt ihres Ausscheidens bzw. am Ende eines jeden Unterrichtsjahres eine Schulbesuchsbestätigung über die Dauer ihres Schulbesuches bzw. über das Unterrichtsjahr auszustellen, die die Beurteilung ihrer Leistungen in den einzelnen Pflichtgegenständen enthält. Hiebei ist eine Leistungsbeurteilung in den Fällen des § 4 Abs. 2 lit. a insoweit nicht aufzunehmen, als der Schüler wegen mangelnder Kenntnis der Unterrichtssprache im Sinne des § 3 Abs. 1 lit. b die erforderlichen Leistungen nicht erbringt."

In Fällen, wo eine gesicherte Leistungsbeurteilung nicht möglich ist, z. B. auch wegen mangelnder Kenntnis der Unterrichtssprache, ist für das jeweilige Fach (dies betrifft Pflicht- oder Freigegenstände) der Vermerk "nicht beurteilt" einzutragen (ZFVO § 2 Abs. 7).
 
In Klassen mit ALB (Alternativer Leistungsbeurteilung gem. SchUG 18a) erhalten AO-Schülern wie der Rest der Klasse eine Semester-/Jahresinformation.

  • Muttersprachlicher Unterricht am Zeugnis:

Das Fach "Muttersprachlicher Unterricht" ist lt. Lehrplan als Freigegenstand oder als Unverbindliche Übung (v. a. in VS) vorgesehen und verzichtet u. a. wegen möglicher Diskriminierung der SchülerInnen in ihrem Heimatland oder Geburtsland auf die Angabe der Sprache. Auf Empfehlung des Ministeriums wurde dies vom LSR nunmehr so geregelt.

In Sokrates können Sie unterschiedliche Fächer bzw. Sprachen vom Muttersprachlichen Unterricht verwalten, z. B. FG_MUA (arabisch), FG_MUR (russisch) usw. Allen gemeinsam ist aber als Langtext „Muttersprachlicher Unterricht" und dieser Text erscheint am Zeugnis. Sie müssen also nichts umstellen, wenn Sie die Behördengegenstände in Ihrer Stundentafel verwendet haben. Dies wurde zentral aktualisiert!

Bei der Gelegenheit sei auf die jährliche Information zum Muttersprachlichen Unterricht (--> hier) hingewiesen: es wird hinsichtlich Bosnisch/Kroatisch/Serbisch empfohlen, "nach Möglichkeit keine Trennung nach ethnischen Zugehörigkeiten vorzunehmen", und die Lehrkräfte werden darauf hingewiesen, "ungeachtet ihrer eigenen ethnischen oder regionalen Herkunft, alle in ihrer Gruppe vertretenen Sprachvarietäten im gleichen Maße zu respektieren und zu fördern."

  • Lebende Fremdsprache am Zeugnis:

Das Fach "Lebende Fremdsprache Englisch" kommt ohne Klammern aus. Wenn im Lehrplan "Lebende Fremdsprache (Sprache)" erwähnt ist, ist der Klammerausdruck wohl als Anmerkung zu verstehen. Nur in Fällen, wo mehrere Fremdsprachen als Pflichtgegenstände von Schülern besucht werden, wird beispielsweise zwischen "Erste lebende Fremdsprache Englisch" und "Zweite lebende Fremdsprache Italienisch" unterschieden. Dabei ist diese Reihung einerseits Aufzählung, andererseits aber auch Gewichtung, da eine zweite Fremdsprache häufig erst ab einer höheren Stufe dazukommt oder ein geringeres Stundenausmaß aufweist. Als Einschränkung sei die Fußnote zur Ermächtigung für schulautonome Lehrplanbestimmungen angeführt (Lehrplan der HS):
"Wenn bei Einführung eines Pflichtgegenstandes „Zweite Lebende Fremdsprache" mindestens sechs Wochenstunden über zwei Jahre vorgesehen werden, ist der Pflichtgegenstand „Lebende Fremdsprache" als „Erste lebende Fremdsprache" zu bezeichnen."

Wenn Fremdsprachenfächer als Freigegenstände oder als Verbindliche bzw. Unverbindliche Übungen angeboten werden, sind sie von dieser Namensgebung hinsichtlich Aufzählung/Reihung (erste und zweite lebende Fremdsprache) nicht betroffen.

  • Religion am Zeugnis:

Religion ist ein Pflichtgegenstand und muss am Zeugnis aufscheinen. Schüler, die sich vom Religionsunterricht abgemeldet haben oder deren Bekenntnisgemeinschaft keinen Unterricht anbietet, erhalten eine Streichung anstelle einer Note.

In diesem Zusammenhang gilt der Durchführungserlass zum Religionsunterricht (--> hier) mit dem aktualisierten Anhang A für die anerkannten Kirchen und Religionsgemeinschaften sowie dem aktuellen Anhang B für die eingetragenen Religionsgemeinschaften. Mitglieder anderer Bekenntnisgemeinschaften gelten dem Staat Österreich als "ohne Bekenntnis".

Für diese Kinder ("ohne Bekenntnis") bzw. für Kinder, die einer staatlich eingetragenen religiösen Bekenntnisgemeinschaft angehören, besteht unter bestimmten Umständen die Möglichkeit, einen angebotenen Religionsunterricht zu besuchen, wobei dies dann als Besuch eines Freigegenstandes gilt. Ein Religionsunterricht als Unverbindliche Übung ist nicht vorgesehen.

Zur Ergänzung s. den früheren Artikel dazu (--> hier).

  • Projekte am Zeugnis:

Auf ein Zeugnis dürfen nur die lt. Zeugnisformularverordnung § 2 Abs. 4 vorgesehenen Gegenstandsarten aufgedruckt werden:
"In dem für die Bezeichnung der Pflichtgegenstände, der Freigegenstände, der verbindlichen Übungen und der unverbindlichen Übungen vorgesehenen Raum sind die betreffenden Unterrichtsgegenstände bzw. Übungen in der Reihenfolge ihrer Nennung in dem in Betracht kommenden Lehrplan anzuführen. Ferner ist in diesem Zusammenhang die Teilnahme an etwaigen lehrplanmäßig vorgesehenen therapeutischen und funktionellen Übungen zu vermerken."

Projekte oder Ähnliches sind dabei nicht vorgesehen.

  • Klauseln am Zeugnis:

Die Klauseln lt. ZFVO § 3 für den Aufstieg von der VS in die AHS (1. Kl.), für den Aufstieg von der NMS in die AHS (5. Kl.) oder für den Aufstieg von der NMS in die BHS (I. Jahrgangsstufe) setzen jeweils einen gültigen Klassenkonferenzbeschluss voraus, dass der/die Schüler/in trotz Beurteilung mit Befriedigend in einem bestimmten Gegenstand (und weiters eventuell der mittleren Leistungsgruppe) den Anforderungen der angestrebten Schulart entsprechen wird.

Bei normaler Erfüllung der Aufnahmevoraussetzungen ohne Klassenkonferenzbeschluss gibt es keine rechtliche Begründung zum Aufdruck dieser Klauseln (s. ZFVO § 3 Abs. 8 ff.).

  • Früher abgeschlossene Gegenstände am Jahres- und Abschlusszeugnis:

Problemaufriss:
Immer öfter nutzen Schulen die schulautonomen Lehrplanbestimmungen (Bandbreiten) für diverse Gegenstände aus, um Gegenstände innerhalb der Schulstufen zu verschieben. Dies führt dann unter Umständen dazu, dass in diesen Fällen Gegenstände nicht mehr auf der höchsten Schulstufe angeboten werden, diese aber bei der Standardstundentafel im Lehrplan, also der vorgesehenen Stundentafel ohne schulautonome Lehrplanbestimmungen, auf der letzten Stufe aufscheinen. Nun dürfen aber bei einem Jahres- und Abschlusszeugnis nur Gegenstände aus dem Fächerkanon der Abschlussschulstufe aufscheinen - das sind jene, die auch in diesem Jahr unterrichtet wurden. Somit könnte evtl. Schülerinnen bzw. Schülern ein Nachteil entstehen.

Lösung:
Unterhalb des Fächerkanons ist in solchen Fällen bei den individuellen Vermerken aufzunehmen, dass der Schüler/die Schülerin den "Pflichtgegenstand XY" schulautonom in der "n. Schulstufe" abgeschlossen hat und "mit Note" beurteilt wurde. Zusätzlich kann die schulautonome Stundentafel auf die Rückseite des Zeugnisses gedruckt werden bzw. beigelegt werden.